EZB-Präsident sieht die Gefahr einer zunehmenden Inflation

Nach der gestrigen Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB), bei der der Leitzins auf dem niedrigen Niveau von 1,0 Prozent belassen wurde, äußerte sich der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, auf der anschließenden Pressekonferenz besorgt über die seit Dezember letzten Jahres gestiegene Inflation im Euroraum. Momentan ist die EZB wohl noch der Meinung, dass die Teuerungsrate im Laufe des Jahres wieder zurückgeht. Experten deuten die Aussagen Trichets aber dahingehend, dass eine Anhebung der Leitzinsen nicht ausgeschlossen ist, wenn sich die Inflation dauerhaft auf dem aktuellen Level von knapp über zwei Prozent im Euroraum hält oder sogar noch zunimmt. Uneinig sind sich die Wirtschaftsexperten allerdings über den Zeitpunkt einer eventuellen Zinserhöhung. Einige rechnen bereits Mitte des laufenden Jahres mit einer Erhöhung, andere erst zu Beginn des nächsten Jahres.

Die EZB befindet sich mit dieser Entscheidung in einem gewissen Konflikt. Zum einen besteht durch eine Zinserhöhung die Gefahr den beginnenden Aufschwung nach der Finanzkrise im Keim zu ersticken, zumal ja einige Euro-Länder nach wie vor Probleme haben, sich selbständig an den Märkten zu finanzieren. Andererseits ist die EZB an erster Stelle der Preisstabilität im Euroraum verpflichtet. Nach der von der EZB festgelegten Definition, die Preisstabilität noch bei einer Inflation von knapp unter zwei Prozent sieht, wäre die EZB jedoch bei einer anhaltenden Teuerungsrate von über zwei Prozent verpflichtet gegenzusteuern.

Die Preistreiber sind laut Statistiken vor allem Energiekosten und Lebensmittel. Teilweise ist dies natürlich eine für den Winter typische Erscheinung. Spätestens im Frühjahr wird sich zeigen, ob die Entwicklung anhält, oder ob sich die Lage wieder entspannt.