Ist Portugal der nächste Kandidat für den EU-Schutzschirm

Am Markt verdichten sich die Gerüchte, dass Portugal der nächste Kandidat ist, der unter den europäischen Rettungsschirm kriechen muss. Das hochverschuldete Land hat zwar nach eigenen offiziellen Angaben sein Haushalts-Ziel für 2010 erreicht, liegt aber mit einem Defizit bei der Wirtschaftsleistung mit 7,3 Prozent deutlich über den einst vereinbarten Maastricht-Kriterien.

Haushaltsminister Emanuel dos Santos äußerte sich zwar am heutigen Donnerstag dahingehend, dass Portugal im laufenden Quartal trotz der schwierigen Marktlage in der Euro-Zone keine Probleme bei der Finanzierung seiner Schulden habe, aber Portugal ist trotzdem ins Visier der Finanzmärkte geraten. Am 12. Januar will die mit dem Schuldenmanagement Portugals betreute Finanzagentur weitere Staatsanleihen im Wert von einer Milliarde Euro ausgeben.

Die Zinsdifferenz zwischen portugiesischen und deutschen Staatsanleihen ist inzwischen auf 414 Basispunkte gestiegen. Marktexperten erwarten, dass Portugal nach der Rettung Griechenlands und Irlands durch milliardenschwere Hilfsgelder der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds (IWF) in naher Zukunft ebenfalls auf die Unterstützung der Euro-Länder angewiesen sein wird.

Obwohl die Finanz- und Wirtschaftskrise in Deutschland überwunden scheint, weitet sich die Euro-Krise aus und wird sich damit wohl auch für den deutschen Aufschwung zur Bewährungsprobe entwickeln. Interessanterweise ist gerade in den letzten Tagen und Wochen in Deutschland die Sehnsucht nach der alten DM deutlich gestiegen, je nach Klientel sogar auf über 50 Prozent. Aber mal ehrlich gefragt, ist das wirklich eine Alternative? Wo sind die während der Banken- und Finanzkrise von der europäischen Finanzpolitik schon fast gebetsmühlenartigen Bekenntnisse zum gemeinsamen europäischen Finanzmarkt geblieben?