Nach wie vor Streit um zu hohe Dispozinsen

Bereits im September hatten wir an dieser Stelle über die, im Vergleich zum niedrigen Leitzins der Europäischen Zentralbank und dem für Kapitalanlagen niedrigen Zinsniveau, deutlich zu hohen Dispozinsen vieler Banken berichtet. Trotz des damaligen Protests von Verbraucherschutzorganisationen, der Politik und eines Urteils des Bundesgerichtshofes hat sich an der Situation nicht grundsätzlich etwas geändert.

Zwar hat das BGH-Urteil bewirkt, dass viele Banken inzwischen die zukünftige Entwicklung ihrer Dispozinsen an den europäischen Leitzins oder den Euribor gekoppelt haben, an der absoluten Höhe der Dispozinsen hat sich dadurch aber nicht viel geändert, da beide Referenzzinssätze seit langer Zeit auf konstant tiefem Niveau verharren. Der Euribor ist der Zinssatz zu dem sich viele Banken untereinander Geld leihen und befindet sich wie der europäische Leitzins seit langem auf ähnlich niedrigem Niveau.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen spricht daher immer noch von „Dispo-Wucher“. Vorstand Gerd Billen sagte dazu: „Obwohl die Banken historisch günstig an ihr Geld kommen, werden die Kunden massiv zur Kasse gebeten“. Billen ist der Meinung, dass die Banken so ihre krisenbedingten Verluste wieder ausgleichen. „Es hat den Anschein, als betrachteten die Banken den Dispo-Kredit als Sanierungsprogramm.“ Daher wollen die Verbraucherzentralen erneut gegen die hohen Dispozinsen klagen.

Nach wie vor liegen die Dispozinsen im Vergleich der Anbieter weit auseinander. So berechnen zum Beispiel die Commerzbank und die Postbank über 13 Prozent, während die Deutsche Skatbank nur 6 Prozent verlangt. Sogenannte „geduldete Überziehungen“, also Kontoüberziehungen über den vereinbarten Dispo-Rahmen hinaus schlagen zum Teil mit fast 19 Prozent zu Buche.

Da keiner sagen kann, ob beziehungsweise wann es in diesem Streit zu einer einvernehmlichen und vernünftigen Lösung kommt, bleibt den betroffenen Kunden momentan nur sich nach einem anderen Konto umzusehen. Auf jeden Fall sollte man bei der Auswahl eines Girokontos neben anderen entscheidenden Kriterien auch die Konditionen für Kontoüberziehungen in seine Überlegungen einbeziehen.