Bundesbank prognostizert sehr gute Wirtschaftsentwicklung

Die Bundesbank schätzt laut ihrer Halbjahresprognose vom vergangenen Freitag die Wirtschaftsentwicklung für 2010 noch besser ein, als die Bundesregierung. Während die Regierung für 2010 eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts von 3,4 Prozent prognostiziert, liegt die Einschätzung der Bundesbank bei 3,6 Prozent. Auch in den kommenden Jahren soll die gute Entwicklung anhalten.

Wichtigster Faktor für das gute Wachstum ist laut Bundesbank nach wie vor der Export, speziell durch die hohe Nachfrage aus Süd- und Ostasien. Aber auch die Binnennachfrage legt deutlich zu und trägt damit nicht unerheblich zu der positiven Entwicklung bei. Daran sind sowohl die Unternehmen beteiligt, die wieder verstärkt investieren, als auch die Konsumenten, die aufgrund höherer Löhne wieder mehr kaufen. Besonders der Wohnungsbau profitiert dabei auch noch von dem historisch niedrigen Zinsniveau.

Auch für die kommenden Jahre erwartet die Bundesbank ein weiterhin gutes, wenn auch nicht mehr ganz so rasantes, Wachstum. So erwarten die Bankexperten für 2011 einen Anstieg des Bruttoinlandsprodukts um die zwei Prozent und für 2012 ca. 1,5 Prozent. Auch auf den Arbeitsmarkt soll sich die positive Entwicklung auswirken. So bestehe die Chance, dass die Zahl der Arbeitslosen 2012 unter drei Millionen sinkt.

Die Gefahr eines starken Anstiegs der Inflation sehen die Bundesbanker nicht. Für 2011 rechnen sie mit 1,7 Prozent und für 2012 mit 1,6 Prozent Teuerung. Damit bliebe die Inflation deutlich unter den knapp zwei Prozent, die die Europäische Zentralbank als Preisstabilität definiert.

Herbstgutachten: kräftiges Wachstum und sinkende Arbeitlosenzahlen

Heute ist das Herbstgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute veröffentlicht worden. Das Gutachten prognostiziert ein kräftiges Wirtschaftswachstum und das Absinken der Arbeitslosenzahlen auf unter drei Millionen, weist allerdings auch auf mögliche Risiken hin.

Für dieses Jahr rechnen die Wirtschaftsforschungsinstitute für Deutschland mit einem Wachstum von 3,5 Prozent, für das kommende Jahr sagen sie eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um 2,0 Prozent voraus. Damit liegen die Institute deutlich über den bisherigen Prognosen.

Nach Aussage des Gutachtens stehen diesen Prognosen allerdings auch großen Risiken gegenüber. So schätzen die Wirtschaftsforschungsinstitute die Gefahr einer erneuten Rezession in den USA als keinesfalls gering, sondern eher wahrscheinlich ein. Auch ein Platzen die Immobilienblase in China stelle ein hohes Risiko vor allem für den Export dar. Aber auch im Euroraum sei die Schulden- und Vertrauenskrise einiger Länder noch nicht vom Tisch. Allerdings sagen die Institute auch ein stärkeres Wachstum der Binnenkonjunktur voraus, was mögliche Risiken in Bezug auf die Exportwirtschaft abmildern kann.

Für den Arbeitsmarkt rechnen die Institute aufgrund des Wirtschaftswachstums in Deutschland damit, dass die Arbeitslosenzahl 2011 zum ersten Mal nach 1992 wieder unter drei Millionen liegen wird. Damit würde die Arbeitslosenquote von 7,7 auf 7,0 Prozent sinken und die Zahl der Erwerbstätigen von 40,365 Millionen auf 40,595 Millionen steigen. Die Defizitquote des Staates schätzen die Institute für 2010 auf 3,8 Prozent, was einem Betrag von 93,6 Milliarden Euro entspricht. Für das kommende Jahr rechnen sie mit nur noch 70 Milliarden Euro.

Die Wirtschaftsforschungsinstitute ermahnen aber gleichzeitig die Bundesregierung, die durch die konjunkturelle Erholung entstehenden Entlastungen nicht zum Anlass zu nehmen in den Konsolidierungsbemühungen nachzulassen. Sie weisen ausdrücklich darauf hin, dass mittelfristig weiterer Konsolidierungsbedarf auf Grund der alternden Gesellschaft mit steigender Zahl an Rentnern bestehe.

Nur noch schwaches Wirtschaftswachstum im Sommer

Nach dem starken zweiten Quartal ist die deutsche Wirtschaft unerwartet schwach in den Sommer gestartet. Nach der durch das gute Frühjahrsquartal bedingten Konjunktureuphorie ist das Wirtschaftswachstum offenbar in die Sommerpause gegangen.

Nach Ansicht der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) drohe der deutschen Wirtschaft aufgrund der weltweiten Konjunkturabkühlung in den nächsten Quartalen ein Wachstum auf niedrigerem Niveau. Für das dritte Quartal prognostiziert die OECD ein aufs Jahr hochgerechnetes Plus von 0,7 Prozent. Nach der in Europa üblichen Berechnung würde das Wirtschaftswachstum damit nur noch rund 0,2 Prozent betragen. Im zweiten Quartal war das Bruttoinlandsprodukt überraschend um 2,2 Prozent gewachsen.

Der Chefvolkswirt der OECD Pier Carlo Padoan erwartet eine generelle Abschwächung der Erholung in den Industrieländern, sieht aber derzeit keinen Rückfall in die Rezession. Optimistischer sieht das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) die Wachstumserwartungen für den Sommer und erwartet ein Plus von 0,7 Prozent. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin geht sogar von 0,9 Prozent aus.

Nach den jüngsten Zahlen ist die Wirtschaft allerdings verhalten in das zweite Halbjahr gestartet. Wie das Bundeswirtschaftsministerium und das Statistische Bundesamt gestern mitteilten legte die Industrieproduktion im Juli lediglich um 0,1 Prozent gegenüber dem Vormonat zu, die Exporte sanken sogar um 1,5 Prozent. Diese aktuellen Zahlen wurden bereits in der OECD-Prognose berücksichtigt.

Auch im letzten Quartal soll das Wachstum nur um 0,25 bis 0,3 Prozent ansteigen. Die OECD erwartet für das Gesamtjahr einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts um 3,1 Prozent.