Die Bundesregierung erhöht ihre Wachstumsprognose nach oben

Nach dem optimistischen Herbstgutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute hat nun auch die Bundesregierung ihre Wachstumsprognose für dieses und das nächste Jahr deutlich nach oben korrigiert. Gegenüber der Prognose vom Frühjahr hob die Bundesregierung ihre Prognose für dieses Jahr um zwei Prozent von 1,4 auf 3,4 Prozent an. Für das nächste Jahr wird nun ein Anstieg des Bruttoinlandsprodukts von 1,8 statt bisher 1,6 Prozent erwartet.

Bundeswirtschaftsminister Brüderle meinte dazu: „Ein Wachstum wie dieses Jahr hat es seit dem Wiedervereinigungsboom bisher nur einmal gegeben“. Die deutsche Wirtschaft fahre auf der Überholspur. Jetzt sei es an der Zeit, dass die Staatshilfen für Banken, Unternehmen sowie die Konjunkturprogramme beendet würden. Der Aufschwung habe nahezu alle Bereiche der Wirtschaft erfasst.

Aufgrund der guten Prognose erwartet die Bundesregierung, dass die Arbeitslosenzahlen im nächsten Jahr auf den niedrigsten Stand seit 1992 fallen. Die Regierung rechnet im Durchschnitt mit nur noch 2,9 Millionen Arbeitslosen. Zuletzt waren nur im Wirtschaftsboom nach der Wiedervereinigung so wenig Bürger ohne Arbeit.

 

In diesem Jahr wird das Wirtschaftswachstum hauptsächlich vom Export gestützt. Vor allem in Schwellenländern wie China oder Indien ist der Bedarf an Investitionsgütern hoch. Inzwischen steige aber auch die Bereitschaft deutscher Unternehmen zu investieren, zusätzlich wachse aber auch die Konsumbereitschaft der Bürger. Die Wachstumskräfte werden sich damit im Verlauf dieses und des nächsten Jahres weiter in Richtung der Binnennachfrage verlagern, teilte das Wirtschaftsministerium mit. Diese werde im nächsten Jahr fast drei Viertel des Wachstums ausmachen.

Schwächere Konjunkturdynamik in den nächsten Monaten

Nach dem außerordentlich hohen Wachstum im zweiten Quartal dieses Jahres erwarten Finanzexperten eine Abkühlung der deutschen Konjunktur. Dies geht zumindest aus dem Konjunkturbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) hervor. Das ZEW-Barometer wird monatlich jeweils Mitte des Monats veröffentlicht. Dabei werden bis zu 350 Finanzexperten und nicht wie beim Ifo-Geschäftsklimaindex Unternehmen befragt. Der ZEW-Index gibt die Erwartungen für die künftige Wirtschaftsentwicklung der nächsten sechs Monate in Deutschland wieder. Im August ist der Indikator von 21,2 Punkten im Juli auf 14,0 Zähler abgerutscht. Das ist der vierte Rückgang in Folge und der niedrigste Wert seit April 2009. Im April dieses Jahres lag der Index noch bei 53,0 Punkten. Der Wirtschaftsweise und ZEW-Präsident Wolfgang Franz sagte dazu: „Der Rückgang des Indikators deutet nun darauf hin, dass das enorme Wachstum des zweiten Quartals nicht aufrecht erhalten werden kann“.

Allerdings beurteilen die Finanzexperten die aktuelle Lage deutlich besser als im Vormonat. Die Lagekomponente der Befragung durch das ZEW stieg von 14,6 auf 44,3 Zähler deutlich an. Experten hatten nur mit einem leichten Anstieg auf 23 Punkte gerechnet.

Deutlich optimistischer als die Finanzexperten beurteilen die Unternehmen die Aussichten. Die Ende Juli für den Ifo-Geschäftsklimaindex befragten Unternehmen zeigten sich nach dem stürmischen Wachstum im zweiten Quartal so zuversichtlich wie seit der Wiedervereinigung nicht mehr. Auch die Wirtschaftswissenschaftler rechnen nach wie vor mit einem Wirtschaftswachstum von drei oder mehr Prozent für das Gesamtjahr 2010.